﻿{"id":240,"date":"2020-09-12T20:48:25","date_gmt":"2020-09-12T18:48:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hannover-solidarisch.de\/?page_id=240"},"modified":"2020-10-11T13:31:28","modified_gmt":"2020-10-11T11:31:28","slug":"dokumentation","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.hannover-solidarisch.de\/index.php\/ag-knast\/dokumentation\/","title":{"rendered":"Dokumentation"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Eindr\u00fccke aus der Abschiebehaft in Langenhagen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F. reist aus einem europ\u00e4ischen Land mit dem Flugzeug nach Deutschland ein, um Freunde zu besuchen. Er hatte dort Asyl beantragt, hat Papiere und eine Wohnung. Nach dem Besuch in Deutschland m\u00f6chte er dorthin zur\u00fcckkehren. Er wird nach der Einreise am Flughafen verhaftet und in Handschellen in die JVA gebracht. Er soll in sein Heimatland abgeschoben werden, obwohl sein Asylantrag in der EU noch nicht abschlie\u00dfend gepr\u00fcft wurde. F. versteht nicht, warum er nicht zur\u00fcck in das Land gehen kann, aus dem er k\u00fcrzlich eingereist ist, wie er es mehrfach angeboten hat. Er ist w\u00fctend und verzweifelt. Seine h\u00f6chstm\u00f6gliche Haftdauer ist auf ca. 4 Wochen festgelegt worden. Er sagt, das w\u00fcrde er nicht aushalten und w\u00fcrde lieber sofort in sein Heimatland abgeschoben werden, als so lange zu warten. Nach mehrw\u00f6chiger Haft wird er nicht in sein Heimatland abgeschoben, sondern darf zu seinem europ\u00e4ischem Wohnort zur\u00fcck kehren.<\/p>\n\n\n\n<p>F. geht aus seinem Wohnheim weg, weil es dort immer wieder zu Gewaltt\u00e4tigkeiten kommt und er trotz mehrfacher Bitten bei der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde nicht umziehen darf. Nach mehreren Monaten Obdachlosigkeit und ohne Kontakt zur Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde, ertr\u00e4gt er die Obdachlosigkeit nicht mehr und geht zur Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde, um erneut um Hilfe zu bitten. Dort wird er verhaftet und in Handschellen zur JVA gebracht. Er ist verzweifelt \u00fcber die Inhaftierung und hofft auf schnelle Abschiebung, um der Haft zu entkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>S. hat einen Aufenthaltstitel in einem europ\u00e4ischen Land und reist nach Deutschland um Freunde zu besuchen, um die Feiertage am Jahreswechsel\/-ende gemeinsam zu verbringen. Er wird im Wohnheim der Freunde verhaftet und in Handschellen, \u201ewie ein Verbrecher\u201c, zur JVA gebracht. Nach mehrw\u00f6chiger Haft wird er entlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>B. wird verhaftet und es gibt es einen Gerichtstermin. Der Dolmetscher \u00fcbersetzt nicht, worum es geht, dr\u00e4ngt B. jedoch dazu ein Formular zu unterschreiben. Danach wird er in die JVA gebracht. B. ist darauf nicht vorbereitet und ist noch Tage sp\u00e4ter geschockt \u00fcber die Verhaftung. Genau wie F. und S. zeigt er wiederholt fassungslos seine \u00fcberkreuzten Handgelenke, um den Transport in Handschellen zu verdeutlichen.<\/p>\n\n\n\n<p>A. lebt seit 22 Jahren in Deutschland. Er wird auf der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde verhaftet. Dort \u00fcbersetzt er seit ein paar Jahren auch \u00f6fter ehrenamtlich f\u00fcr andere Gefl\u00fcchtete und hat schon dreimal erlebt, dass die Leute dort unvorbereitet verhaftet werden. \u201eBeim vierten Mal war ich es selbst\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er hat mehrere schwere, auch chronische Krankheiten, die in Deutschland behandelt werden und unter Kontrolle sind. Er ist sehr resigniert und sagt, in seinem Herkunftsland, nach der Abschiebung, gibt es keine gesetzliche Krankenversicherung und er wird er sich dort die Behandlung nicht mehr leisten k\u00f6nnen. Weil die Beh\u00f6rden eine Frist nicht einhalten, wird er nicht abgeschoben.<\/p>\n\n\n\n<p>D. reist aus einem Nachbarland ein, wird sofort nach dem Grenz\u00fcbertritt verhaftet und zur JVA gebracht. Aufgrund der Corona-Situation wird er nach ca. 2 Wochen entlassen. Auf einem Formular wird ihm eine Erstaufnahmeeinrichtung zugewiesen. Zum Zeitpunkt der Entlassung wei\u00df er weder, wo er ist, noch wo er hinfahren soll. Eine Unterst\u00fctzung durch die Beh\u00f6rden gibt es nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>H. war beim ersten Besuch von uns in der JVA Langenhagen noch sichtlich von seiner Verhaftung geschockt. Er war bei der Verl\u00e4ngerung seines Ausweises in der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde verhaftet und in Handschellen abgef\u00fchrt worden. Immer wieder betonte er, in Afrika w\u00fcrden nur Verbrecher in Handschellen abgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>M. wurde in der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde in Halberstadt verhaftet. Diese befindet sich auf dem Gel\u00e4nde der riesigen Sammelunterkunft, die bereits mehrfach wegen (rassistischer) \u00dcbergriffe der Security in den Schlagzeilen war. Er wurde in Handschellen abgef\u00fchrt und durfte seine Sachen, obwohl sie sich auf dem Gel\u00e4nde befanden, nicht mitnehmen. Das von uns veranlasste Nachsenden scheiterte, so wurde er ohne seine pers\u00f6nlichen Dinge, vor allem aber auch ohne seinen Ausweis, nach Italien abgeschoben. Mithilfe einer solidarischen Gruppe in Italien gelang uns nach Wochen die Nachsendung der erforderlichen Papiere.<\/p>\n\n\n\n<p>H. weigerte sich seine M\u00fclleimer zu leeren, was laut Routine zu erfolgen hatte, weil dieser leer war. Dieses \u201eBefehlsverweigerung\u201c f\u00fchrte zu einem Einsatz, bei welchem ihm mehrere Beamte am Hals und den H\u00e4nden verletzten.<\/p>\n\n\n\n<p>J. wurde beim BAMF verhaftet als er einen Asylfolgeantrag stellen wollte. Er war sehr verzweifelt, weil seine Familie sein Gehalt ben\u00f6tigte und weil er sich sch\u00e4mte ihnen mitzuteilen, dass er im Gef\u00e4ngnis sitzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eindr\u00fccke aus der Abschiebehaft in Langenhagen F. reist aus einem europ\u00e4ischen Land mit dem Flugzeug nach Deutschland ein, um Freunde zu besuchen. 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